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Kirchen in der Nachbarschaft

Evangelische Schleiereulen nach Eckenhagen

Es ist windig und kalt. Die Kirchmeisterin Beate Schuster regelt noch gerade per Handy einen Wasserschaden im Altenheim, dann empfängt sie drei Herren vom Naturschutzbund.

Zur Sicherheit schlage ich zuhause nach, was eine Kirchmeisterin eigentlich so meistert:

"Die Bezeichnung Kirchmeister stammt aus den presbyterial-synodal verfassten evangelischen Kirchen im Westen Deutschlands (Evangelische Kirche im Rheinland, Evangelische Kirche von Westfalen, Lippische Landeskirche). Er kennzeichnet eine Person, die im Presbyterium eine besondere Funktion ausübt. Das Amt des Kirchmeisters wird nur von Laien bekleidet.

Prinzipiell gibt es je Presbyterium einen Kirchmeister, der für Finanzen, Bauwesen und Personal verantwortlich ist. Das Amt kann aber auch aufgeteilt werden, z. B.:

* Finanzkirchmeister
* Baukirchmeister
* Personalkirchmeister
Auszug aus §22 der KO der Evangelischen Kirche im Rheinland:

Die Kirchmeister haben das Kassen- und Rechnungswesen gemäß der kirchlichen Verwaltungsordnung zu beauf­sichtigen. Sie dürfen die Kassengeschäfte nicht selber führen. Sie haben die Aufsicht über die Grundstücke, Gebäude, Geräte und andere Vermögens­stücke zu führen. Sie sorgen dafür, dass die Kirchengemeinde ihre diakonischen Aufgaben wahrnimmt. Sie begleiten den Dienst der beruflich Mitarbeitenden." (WikiweißRat)

Eine Turmbesteigung soll heute zeigen, ob es hier in der Barockkirche Platz für Falken und Eulen geben kann.

Es ist ein bisschen wie eine Wohnungsbesichtigung. Hier sollen Vögel einziehen ins Gotteshaus. Wie bereits in vielen anderen bergischen Kirchen. Auch die evangelische Kirche in Derschlag gibt sich mit Nistkästen sehr einladend. Professor Dr.-Ing. Walter Breuer, Professor für Maschinenbau, zückt seinen Klapp-Kompass. "Wo ist die Wetterseite? Von wo wird der Regen kommen?"

Turmfalken sind wählerische Mieter. [645 KB] Aber da! Stefan Heitmann vom NaBu ist entzückt: Auf dem Stundenzeiger sitzt kurz vor der Zehn ein Turmfalke. Gerne leiht der Naturschützer den anderen sein Fernglas, das er wie selbstverständlich in der Tasche mitführt. Ein weiterer Falke umkreist den Turm. Sie scheinen nervös. Es kommt schließlich Besuch. Haken führen am Kirchturm bis in die Spitze. Daran wird in wenigen Wochen ein Dachkletterer [525 KB] sich herablassend zeigen. Es gibt viel zu tun.Die Dachschindeln sind mit den falschen Nägeln befestigt (Ich frage mich, wie viele schindeln das sein mögen!)Sie rosten vor der Zeit. Aber die Kirchmeisterin hat alles im Griff.

Drinnen erklärt sie die Vorzüge der "Wohnlage": [1.361 KB]

Nun wollen alle endlich die neuen "Wohnungen" sehen. Joachim Tiedt, ehemals Kreisbeauftragter für den Vogelschutz, zeigt stolz seine Stirnlampe. "Man hat die Hände frei!" Wozu bloß, frage ich mich.

Wer zum Turm hinauf will, muss erst einmal durch die enge Pforte im Kircheninneren. Mannsbreit tut sich ein Aufgang auf, sparsam beleuchtet.

Doch, ja: Wer eine Stirnlampe trägt, ist klar im Vorteil.

Ich bin entsetzt: Nach wenigen Steilmetern kommt erst die eigentliche Engstelle. Ein Schlauch aus Bruchsteinen. [506 KB] Ich will nach Hause. Und ich will nach oben.

Überraschend dann die erste, sehr stabile Plattform:
In einer der Schießscharten wohnt das Falkenpärchen. Ich sehe nichts, glaube es den Fachleuten aber sofort. Ein gewöhnlicher Vogelsch... erfreut das Ornithologenherz: "Sie waren hier!" Ich lerne von Professor Breuer: "Fledermauskot ist schwarz und feinkrümelig." Was wir hier sehen, ist jedoch klassisches Weiß auf Karton.

"Ich setze die Füße immer schräg auf, dann gehts leichter", rät Beate Schuster vor dem Anstieg zur Glockenbasis. Ich bin dankbar für jeden Tipp. Aber Frau Schuster ist ungefähr die Hälfte von mir.

Noch zwölf Minuten bis zum Elfuhrläuten. Gerade Zeit genug, um uns das Beiern und Kleppen [3.380 KB] zu erklären und warum es in Eckenhagen einmal im Jahr 13 schlägt.

Wirklich Zeit genug? An der Wand hängt ein Ohrenschützer, viel zu weit weg.

Drei Glocken rufen die Gläubigen. Zwei sind dem Tod von der Schippe gesprungen. Sie lagen schon auf dem Glockenfriedhof.

Wenn man sie mit dem Fingerknöchel anschlägt, rühren sie sich nicht von der Stelle, geben aber ihr Geheimnis [165 KB] trotzdem preis.

Den Professor drängt es weiter. Schließlich sind wir nicht (nur) zum Vergnügen hier. [176 KB]
Auf dem Dachboden soll die Reformation endlich Einzug halten. Schließlich haben die Eckenhagener Katholiken schon seit langem eine Schleiereule unterm Dach!

Mit Maßband und Phantasie werden Pläne geschmiedet. Und wenn die Fachleute sich nicht irren, war ein Eulenvogel bereits hier, denn sein Gewölle liegt am Boden. (Es muss mal gesagt werden: Ausgewürgter Mageninhalt ist das. Trocken. Enthält er winzige Knöchelchen, ist es Schleiereulengewölle.)

Der Letzte macht's Licht aus. Unser Abstieg klingt schlimmer, als er w [710 KB] ar. Das Rauschen entsteht durch die Reibung der Kleidung an den Wänden der Steinschlauchtreppe.
Günstig ist es, wenn man eine Stirnlampe besitzt. Und keine Kameratasche umhängen hat. Und kein Mikro in der Hand.

Ein großes Dankeschön an die Kirchmeisterin für die Führung! (Unter uns: Am liebsten hätte sie selber Falken unterm Dach. Und Obacht: Wer die Tiere bei einer Führung stört, bekommt es mit ihr zu tun!)

Michael Möller, 23. März 2009

Eckenhagen: Kirchturm der Barockkirche

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